MEINE WAHRNEHMUNG DER ZEIT; DAMALS UND HEUTE

Es weihnachtet – und eigentlich sollten es gerade jetzt schöne, friedvolle, entspannte Tage sein. 

Aus Schöpfersicht gehen mir die Tage gerade ziemlich auf die Nerven. Ich mag sie nicht mehr!

Wie hab ich früher diese Tage ersehnt, wegen der Geschenke. Aber auch wegen der freien Zeit. Der illusionären Freiheit. Urlaub, Feiertage …. scheinbar war das freie Zeit. Eine sehnsüchtig erwartete Freiheit. Ein Ausbruch aus dem Hamsterrad. 

Bei mir drehte sich an diesen Tagen meistens das Hamsterrad weiter. Der Sonntag war der einzige Tag, um mal die Wäsche zu waschen, Besorgungen zu machen. Weihnachten, Ostern bediente man dann das Elternhaus (meine Eltern, Schwiegereltern, Geschwister) und die Kirche. Bis dann wieder der Gedanke aufkam: Morgen muss ich wieder arbeiten.

Ich plante also meinen Ausbruch aus diesem Hamsterrad. Sprach mit meinem Chef und wir vereinbarten einen sanften Ausstieg von einem halben Jahr. Also, ein halbes Jahr noch!

Was mache ich danach? Bloß kein Hamsterrad mehr! Mehr Zeit für mich. Ich werde Blogger. Mit dem Laptop durch die Welt, überall am Strand sein Geld verdienen.

Was schon mal gut war, Feiertage interessierten mich nicht mehr. Es drehte sich eher andersherum. Es passierte auch, dass ich vor einem verschlossenen Supermarkt stand, weil Feiertag war. Bis ich das aber kapierte, stand ich in meinen Jogginghosen dumm vor verschlossener Tür. Ein Bild für die Götter.

Ich war immer noch irgendwie in der realen Zeit gefangen. 

Irgendwann hatte ich die Idee, ein Gutshofs – Cafe/ Bistro zu eröffnen. Die große Angst war, mich zu überfordern, zu oft und zu viel eingebunden zu sein. Also waren die Öffnungszeiten nur Samstag, Sonntag. Und nur im Sommer. Der Rest der Woche, des Jahres, musste frei sein. Da ich mich aber zu gerne dort aufhielt, war ich dennoch dauernd da. Und auch Gäste kamen regelmäßig außerhalb der Öffnungszeiten, wussten sie ja nichts von ihnen.

Was ich dann machte? Ich schickte sie weg, es war doch zu. Was für ein Schauspiel =)

Ich war immer noch irgendwie in der realen Zeit gefangen. 

Erst als ich mehr über Zeit, Zeitlinien, eigene Zeit lernte, verstand ich mehr. Gut verstehen ist jetzt noch nicht wissen. Aber schon mal ein Anfang.

Ich beschäftigte mich mehr und mehr mit meiner eigenen Zeit. Was ich dabei erlebte, war schon erstaunlich:

Es gibt keine Regelmäßigkeiten mehr. Wann ich für wie viel Zeit auch immer mich schlafen lege. Wann und wie oft bzw. wie viel ich esse. Wann und wie viel ich arbeite. Die Tage verschwimmen. Was ist Samstag und Sonntag. Monate, Jahre … Ein komisches Spiel, mehr auch nicht. 

Wenn man mich fragte, was ich gestern gemacht hatte, dann hatte ich Schwierigkeiten, das zu erzählen. Ich musste erst einmal überlegen, was heute für ein Tag ist und gestern war.

Das Empfinden von Fahrzeiten mit dem Auto veränderte sich. Wenn ich früher mehr als 3 Stunden Auto fahren sollte, war es ein anstrengendes Abenteuer. 

Heute fahre ich 13 Stunden in den Urlaub, auch ein lustiges Wort, und steige frisch und munter aus dem Auto aus. Gefühlt bin ich dann gerade erst losgefahren.

Eine Zeit lang verschwammen die Wochentage mehr und mehr. Es spielte keine Rolle mehr. Es kommt einem echt komisch vor. So wie jetzt zu Weihnachten. 

Ich habe Frühlingsgefühle, fühle mich, als wenn ich gleich zum See gehe, baden. Es ist schwer, sich auf diese Zeitlinie zu begeben, die früher für mich so real war.

Als Schöpfer bin ich in Bewegung, neugierig und will was bewegen. Dann sagt mir aber die Außenwelt: Wir haben Feiertage, Geschäfte sind zu ….

Wenn ich mich auf diese alte Zeitlinie begebe und teilweise mich darauf einlasse, dann fühle ich mich unfrei.

Was ist das für ein komisches Spiel, brauchen wir das noch? Und WOZU überhaupt?

Bin ich also immer noch irgendwie in der realen Zeit gefangen?


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